Richtig machen will gelernt sein – falsch kann jeder!
Deine Muskulatur
Sicherlich hast du schonmal gehรถrt, dass es verschiedene Arten von Muskulatur gibt. Typ I und Typ II, Fast Twitch und Slow Twitch, Schnelle und Langsame Muskeln, Rote und Weiรe Muskeln – vielerlei Namen haben sich etabliert, die letztendlich alle das gleiche bezeichnen.
Grundsรคtzlich werden zwei Arten von Muskulatur unterschieden – fรผr uns im Schwimmsport am besten benannt als schnell kontrahierende (fast twitch) und langsam kontrahierende (slow twitch) Muskulatur. รrgerlicherweise unterscheiden sich die beiden Typen gar nicht in der Geschwindigkeit, in der sie kontrahieren, sondern in der Zeit, bis sie sich zusammenziehen. Das hรคngt mit ihrer Arbeitsweise zusammen.
Aufbau des Muskels
Ein Muskel besteht aus einer Unzahl an Muskelfaserbรผndeln, die sich wiederum aus vielen vielen Muskelzellen (Fasern) zusammensetzen. Jede Zelle besteht aus unzรคhligen Myofibrillen (Myo = Muskel, Fibrille = Faser), die fรผr die Kontraktion des Muskels verantwortlich sind. Dort bildet das Actin kleine Fรคden, รผber denen wiederum Myosinfรคden liegen. Das ganze sieht ein bisschen aus wie ein Kamm. Verbunden sind diese beiden Fรคden durch Myosinkรถpfchen, die sich bei Bedarf am Actin entlangziehen kรถnnen und so fรผr eine Verkรผrzung des Muskels sorgen.
Schnell kontrahierende Muskeln
Das Ziel dieser Muskeln ist es, innerhalb kurzer Zeit viel Kraft zu entwickeln. Deshalb sind die Myosinkรถpfchen anders strukturiert als bei langsam kontrahierenden Muskeln. Sie kรถnnen durch den Prozess der Glykolyse innerhalb kurzer Zeit viel ATP produzieren und deshalb viel Kraft entwickeln. Glykolyse bezeichnet den Prozess der Energiegewinnung auf Basis von Glukose (Zucker) ohne Sauerstoffbeteiligung (anaerob). Dieser, dafรผr in den Zellen gelagerte, Zucker ist auch fรผr die Farbgebung der Muskeln verantwortlich. Denn Zucker zieht Wassermolekรผle an (รคhnlich einem Schwamm), die wiederum dafรผr sorgen, dass der Muskel hell oder weiรlich erscheint. Beim Prozess der Glykolyse entsteht als Endprodukt fatalerweise Pyruvat, dass im nรคchsten Schritt zu Laktat verstoffwechselt wird. Dieses Laktat sorgt dafรผr, dass nach 30 – 40 min die Muskulatur nicht mehr in der Lage ist weiterzuarbeiten. Das kann nur verhindert werden, wenn das Pyruvat vor seiner Reaktion zu Laktat in die Mitochondrien gelangt und dort weiter verarbeitet wird. Dummerweise besitzen die schnell kontrahierenden Muskeln kaum Mitochondrien, da die Produktion von ATP durch Enzyme in der Zelle gesteuert wird und deswegen die Bildung von Mitochondrien nicht getriggert wird. Diese bilden im Gegensatz dazu den Schwerpunkt der zweiten Muskelgruppe.
Langsam kontrahierende Muskeln
Das „Langsam“ im Namen bezieht sich auf die Zeit, die vom Beginn der Bewegung bis zum „Einschalten“ dieser Muskulatur vergeht. Hauptaufgabe der langsam kontrahierenden Muskeln ist es, รผber einen langen (quasi unendlichen Zeitraum) Kraft und Energie zu produzieren. Diese Energiegewinnung geschieht in den Mitochondrien, die hierfรผr mit Hilfe von Sauerstoff (aerob) Pyruvat und Fett verbrennen. Je besser diese Muskulatur ausgeprรคgt ist (mehr Mitochondrien), desto mehr Pyruvat (Endprodukt der Glykolyse) kann abgebaut werden und desto leistungsfรคhiger ist der Sportler. Fรผr den Transport von Sauerstoff in die Muskelzelle ist das Myoglobin verantwortlich. รhnlich dem Hรคmoglobin haften dort die Sauerstoffmolekรผle und verleihen so dem Muskel ihre dunkle / rote Farbe. Die aerobe Energiegewinnung kann prinzipiell unendlich lange aufrecht erhalten werden, zumal als Endprodukte unschรคdliches CO2 (wird ausgeatmet) und Wasser entstehen.
Zusammenfassung
Unterschiedliche Trainingsbereiche belasten unterschiedliche Muskeltypen. Beide Typen mรผssen fรผr eine hervorragende Gesamtleistung zusammenarbeiten. Sonst kann beim 100m, 200m und 400m Schwimmer das enstehende Laktat nicht verhindert/abgebaut werden und er wird am Ende des Rennens kaum mehr vom Fleck kommen. Der Langstreckler, 800m aufwรคrts, wiederum braucht die Glykolyse, da sie viel mehr Energie produziert (speziell zu Beginn und am Ende des Rennens) als der aerobe Stoffwechsel.

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